Schwitzen ist eine wichtige Körperfunktion. Schweißbildung kühlt die Hautoberfläche ab und dient der Regulation der Körpertemperatur (Thermoregulation). Schweiß auf der Haut schützt unseren Körper vor Überhitzung. Bereits einzelne schweißtreibende Momente werden von vielen Menschen als unangenehm empfunden. Andere Menschen produzieren auch ohne Hitze sehr viel Schweiß. Diese generalisierte übermäßige oder lokal begrenzte Schweißproduktion nennt man Hyperhidrose.

Hyperhidrose ist eine Krankheit, bei der Schweiß unabhängig von der Situation oder Umgebungstemperatur läuft und läuft. Unsere natürliche Schweißabsonderung wird von den Nervenfasern gesteuert. Das vegetative Nervensystem ist dafür zuständig. Der Vorgang des Schwitzens ist unwillkürlich und somit für uns nicht kontrollierbar. Er wird durch elektrische Impulse der Nervenenden eingeleitet, die dafür sorgen, dass die Schweißdrüsen die Sekretproduktion einleiten. Der Schweiß wird anschließend an die Hautoberfläche abgegeben. Bei Hyperhidrose-Erkrankten arbeiten die Neuronen intensiver als nötig. Es existiert eine Funktionsstörung. Übermäßiges Schwitzen tritt besonders an Handinnenflächen, Fußsohlen, Achseln oder im Intimbereich auf. Ständiges Händewaschen oder Deos helfen nicht. Aber es besteht Hoffnung. Heute gibt es moderne, speziell für diese Krankheit entwickelte Behandlungsmethoden.

Ablauf der Behandlung: Botulinumtoxin A, besser bekannt als Botox, wird in extrem verdünnter Form unter die zuvor desinfizierte Haut des gesamten hyperhidrotischen Areals gespritzt. Je nach Größe der zu behandelnden Fläche sind bis zu 40 oder 50 Stiche erforderlich. Das Anti-Schweiß-Präparat wird in mehrere dicht gesetzte Injektionspunkte eingebracht. Da diese Injektionsbehandlung an Händen und Füßen mitunter sehr schmerzhaft ist, ist die Gabe eines Anästhetikums zur Schmerzausschaltung notwendig. Unter den Achseln kann die Behandlung ohne Lokalanästhesie vorgenommen werden, da das Schmerzempfinden im Bereich der Achselhöhlen geringer ist. Pro Behandlung von Hand, Fuß und Achselhöhle wird eine Ampulle Botox benötigt. Die Bekämpfung der axillären Hyperhidrose mit Botox hat andere Therapieverfahren inzwischen nahezu vollständig abgelöst.

Hyperhidrose: Wo genau die Grenze zwischen einer normalen Schweißbildung und einer Hyperhidrose liegt, ist schwer zu sagen. Aus medizinischer Sicht ist eine Schweißproduktion von >100 ml/5 Minuten als krankhaft zu betrachten.

Die drei Schweregrade der Hyperhidrose:

Bei der Hyperhidrose ersten und zweiten Grades an Händen und Füßen beschränkt sich die Schweißbildung meist auf die Handkanten bzw. Fingerseitenflächen oder auf die untere Fersenbeinfläche. Bei der Hyperhidrose dritten Grades kann es allerdings auch an Hand- und Fußrücken zu stark erhöhten Schweißabsonderungen kommen.

Wie wirkt Botox?

Nervenendigungen, die in unmittelbarem Kontakt zu den Schweißdrüsen stehen, werden durch elektrische Impulse zur Abgabe einer Transmittersubstanz angeregt, die die Schweißdrüsen zur Schweißsekretion veranlasst. Botox entfaltet seine Wirkung unmittelbar an den Nervenendigungen, indem es die Freisetzung der Transmittersubstanz blockiert. Die Schweiß-Blockade hält 5 bis 9 Monate an. Im günstigsten Fall profitiert der Hyperhidrose-Patient sogar ein ganzes Jahr von einer Injektionsanwendung. Nach dieser Zeit haben sich die Nervenendigungen wieder regeneriert und die Schweißbildung tritt erneut auf. Eine Wiederholung der BotoxBehandlung steht an. Bei wiederholten Botox-Gaben kann sich die Wirkungsdauer deutlich verlängern.

  • Bei manchen Menschen schlägt die Behandlung allerdings nicht an. Etwa 5-10% der Bevölkerung besitzen oder bilden Antikörper gegen Botox und der gewünschte positive Effekt bleibt aus.

Risiken und Nebenwirkungen:

Bei Applizierung im Bereich der Achselhöhle sind keine Nebenwirkungen bekannt. Bei der Injektion im Bereich der Hände und Füße kann es zu Störungen der Feinmotorik kommen. Folgeerscheinungen dieser Art sind allerdings nie von längerer Dauer. Erfolgt die Anwendung durch einen erfahrenen Arzt, sind die genannten Nebenwirkungen nahezu auszuschließen.